Der E-Boom bringt Liegenschaftsverwaltungen unter Druck

Liegenschaftsverwaltungen und Immobilienbesitzer tun sich (noch) schwer, die Infrastruktur für das Laden von Elektroautos zur Verfügung zu stellen. Doch der Druck steigt, wie Experten an den BKW Lounge-Gesprächen ausführten. Und sie zeigten auch gleich Lösungen auf.

Die Elektromobilität boomt und ist in der breiten Bevölkerung angekommen. Damit stellt sich vor allem für Mieterinnen und Mieter eine entscheidende Frage: Wo laden sie ihr Elektroauto? Eine Wohnung zu finden, die mit einer Wallbox ausgerüstet ist – draussen oder in der Einstellhalle – ist (noch) gar nicht so einfach. «Es wird noch etwas Zeit brauchen, bis Tiefgaragenplätzen von Mietwohnungen mit Ladestationen ausgerüstet sind», sagte Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme EMPA und Forscher im Bereich Mobilität der Zukunft, Anfang Juni anlässlich der BKW Lounge-Gespräche zum Thema Elektromobilität. Einfacher hätten es Besitzer eines Einfamilienhauses. Demgegenüber sei die Situation für Mieterinnen und Mieter, die keinen fixen Parkplatz hätten, ihr Auto also zum Beispiel in einer blauen Zone parkieren müssen, noch schwieriger. Dabei ist für Bach klar, dass das Laden zuhause am kostengünstigsten und verträglichsten ist fürs gesamte Energiesystem. «Wenn man sein Elektroauto zuhause oder am Arbeitsplatz laden kann, fährt man günstiger als mit einem konventionellen Fahrzeug.»

Neuland für Immobilienverwaltungen

Die steigende Elektroauto-Quote hat grosse Auswirkungen auf die Liegenschaftsbesitzer. «Wenn die Mieterinnen und Mieter, die elektrisch unterwegs sind, zu ihren Liegenschaftsverwaltungen oder Liegenschaftsbesitzern gehen und fragen, ob sie auf ihrem Parkplatz eine Ladestation bauen können, stehen die Verwaltungen vor einer Herausforderung», sagte Peter Arnet, Geschäftsführer BKW Smart Energy und Mobility. Die BKW spüre, dass dies für viele Neuland sei und werde entsprechend mit zahlreichen Anfragen von Liegenschaftsverwaltungen konfrontiert. «Vor allem seit November 2020 schnellen die Verkaufszahlen für Elektroautos in die Höhe, und nun kommen die Verwaltungen unter Druck.»

Viele Fragen – die BKW hat die Antworten

«Viele Gebäude-Verantwortliche wissen noch nicht, wie sie die zahlreich vorhandenen Lösungen umsetzen können», sagte Peter Arnet. Wegen der grossen Zahl an Ladestationen brauche es zum Beispiel entsprechende Energiemanagementsysteme. «Wenn alle nach der Arbeit abends um 18 Uhr gleichzeitig ihr Auto laden wollen, dann haben wir eine Maximallast auf dem System. Diese Last muss abgedämpft werden.» In einem Whitepaper beleuchtet Peter Arnet die Rolle von Immobilienbesitzern, Immobilienverwaltern und Eigentümergemeinschaften im Elektromobilitätsbereich. Welchen Einfluss hat die Elektromobilität auf das Energiesystem im Gebäude? Sind die Hausanschlüsse genügend bemessen? Benötigt man ein Energiemanagementsystem und wer soll dieses überwachen und betreiben? Wie geht man mit Anfragen rund um die Ladeinfrastruktur von Immobilienbesitzenden um? Das sind nur einige der vielen Fragen, die sich Liegenschaftsverwaltungen stellen – und auf die die BKW Antworten liefern kann (hier finden Interessierte weitere Informationen).

Peter Arnet, Geschäftsführer BKW Smart Energy & Mobility

Dabei erweisen sich Lösungen für die Elektromobilität als äusserst komplex. «Das Team der BKW befasst sich seit Jahren mit der Elektromobilität und bietet Lösungen an, um insbesondere Immobilienbesitzern und Immobilienverwaltern auf dem Weg in die Elektromobilität zu begleiten und sie vor Fehlinvestitionen zu bewahren», so Peter Arnet in seinem Whitepaper.

Wert der Liegenschaft steigt

Während Vermieterinnen und Vermieter bis vor einem halben Jahr noch zurückhaltend waren mit dem Bau der nötigen Ladeinfrastruktur, spürt Peter Arnet nach und nach ein Umdenken. «Die Hausbesitzer wissen: Sie müssen etwas tun. Denn sie wissen auch, dass ihre Liegenschaft mit der Infrastruktur an Wert gewinnt.» Es komme nämlich die Zeit, in der Mieterinnen und Mieter von Anfang an fragen werden, ob man in der Liegenschaft das Elektroauto laden könne. Sein Fazit: «Je mehr Mieter nachfragen, desto grösser wird der Druck.»

Jürg Grossen, GLP-Nationalrat und Präsident Swiss E-Mobility

Sollen Mieterinnen und Mieter ein «Recht auf Laden» bekommen?

GLP-Nationalrat Jürg Grossen, der ebenfalls an den BKW Lounge-Gesprächen teilnahm, reichte im März eine Motion mit dem Titel «Mieterinnen und Mieter sollen Elektroautos laden können» ein. Was fordert Grossen, der auch Präsident von Swiss E-Mobility ist? Er will den Bundesrat beauftragen, die gesetzlichen Grundlagen für einen Anspruch von Mietern und Stockwerkeigentümern auf den Zugang zu einer Ladestation für Elektroautos zu schaffen. Gleichzeitig solle vermieden werden, dass Autos an einer normalen, sogenannten «dummen» Steckdose geladen werden. «Denn dann besteht das Risiko, dass die Stromleitungen nicht ausreichen.» Der Bundesrat empfiehlt den Vorstoss zur Ablehnung. Er begründet dies unter anderem damit, dass dies Sache der Kantone sei. Ausserdem sei davon auszugehen, dass auch ohne gesetzliche Verpflichtung immer mehr Ladestationen installiert würden. Dies allein schon aus ökonomischen Gründen, so beispielsweise zur Steigerung des Werts einer Liegenschaft. «Unterstützung für meinen Vorstoss gab es aus allen Fraktionen», betont Jürg Grossen. Deshalb hofft er, dass das Parlament die Motion gleichwohl annehmen wird.